Mindfulness oder die Praxis der Achtsamkeit

„Achtsamkeit ist Bewusstheit, die dadurch entsteht, dass man absichtlich im gegenwärtigen Moment und nicht wertend aufmerksam ist“, sagt Jon Kabat-Zinn.

Mindfulness oder die Praxis der Achtsamkeit

Mindfulness ist der Praxis der Achtsamkeit. Sie hat sich als große Unterstützung beim Umgang mit Stress, bei der Bewältigung von Ängsten, Depressionen und Schmerzen bewiesen. Mindfulness, wie es im Rahmen eines MBSR Kurses praktiziert wird, verbindet die Weisheit fernöstlicher Lehren mit den Erkenntnissen westlicher Wissenschaft. 

Was genau ist Achtsamkeit

Wenn wir achtsam sind wählen wir auf bestimmte Art aufmerksam zu sein: Eine Bewusstheit von momentanen Vorgängen und Erfahrungen, die alle Sinne einschließt. Eine Wachheit, in der Konditionierungen und Gewohnheitsmuster als Ursachen des eigenen Leidens erkannt werden.

Ausgangspunkt des Mindfulness oder des achtsamen Wegs ist die Weisheit, dass alles, was ein Mensch für ein erfülltes und glückliches Leben braucht, bereits in ihm angelegt ist.

 

Die Praxis der Achtsamkeit führt dazu, dass wir uns unserer wahren Natur erinnern, sie wachrufen oder ihr Raum geben: Liebevoll, voller Geduld, ohne nach etwas zu streben, loslassend, ohne zu urteilen, (selbst-)mitfühlend, neugierig, mit dem Anfängergeist, voller Vertrauen.

 

Dies führt zu einer besseren Selbstfürsorge. Wir sind uns des Einflusses negativer Gewohnheiten sowie Gedanken bewusst und entwickeln die Freiheit, ihnen nicht zu folgen. Unsere Fähigkeiten, mit Ängsten, Depressionen und Burnout-Symptomen umzugehen, nehmen zu.

 

Achtsamkeitspraktiken können die Atem-, Hör-, Gehmeditation und achtsame Körperbewegungen umfassen oder den Umgang mit Gedanken und Emotionen in der Meditation.

 

Drei essenzielle menschliche Fähigkeiten

Mit Mindfulness fördern und verfeinern wir drei essenzielle menschliche Fähigkeiten: Den Geist auszurichten, Klarheit und Gleichmut. Ein wichtiger Begleiter und ein großes Geschenk für jene, die den Weg gehen, ist das Mitgefühl, das wir für andere und für uns selbst kultivieren.

 

Ein achtsamer Moment

Wodurch also unterscheidet sich ein achtsamer Moment von einem anderen Moment? In einem achtsamen Moment manifestiert sich das Selbst dieses Augenblicks, frei von Mustern, Erwartungen, Identifizierungen oder Illusionen. Es ist ein Moment der Freiheit, ein Moment des Seins, ein glücklicher Moment.

Die Haltung der Achtsamkeit

Bei der Praxis von Achtsamkeit geht es im Wesentlichen darum, eine heilsame Geisteshaltung zu kultivieren. In der Meditation können wir diese Haltung der Achtsamkeit “trainieren”, die sich dann in unserem Alltag entfaltet.

 

Nicht urteilen

Unser Geist hat die Gewohnheit ständig alles zu beurteilen. Diese Gewohnheit führt dazu, automatisch und reaktiv zu handeln. und die Welt und uns selber verzerrt wahrzunehmen. In der Achtsamkeitspraxis geht es darum, uns dieser Gewohnheit und deren Auswirkungen bewusst zu werden. Wir lernen in die Rolle eines neutralen Beobachters zu schlüpfen der ein Ereignis registriert ohne sich damit zu identifizieren („Ah, da ist gerade Ungeduld, Ärger, Freude“).

 

Geduld

Geduldig sein meint, dass wir in der Meditation und auch im Alltag den Dingen ihre Zeit lassen. Wir lernen darauf zu vertrauen, dass die Dinge sich entfalten, wenn der richtige Moment dafür gekommen ist.

 

Anfängergeist

In der Meditation und in unserem Leben können wir versuchen, allem und allen so zu begegnen, als wär es das erste Mal. Sich immer wieder neu einlassen oder neu in Verbindung gehen, mit dem was ist.

 

Nicht streben

Die individuell wahrgenommene Diskrepanz zwischen dem was ist und dem, wie es sein sollte, führt dazu, dass man ständig nach einem Zustand strebt, der nicht der ist, wie er gerade ist. Dieser Moment scheint nie gut genug zu sein. In der Meditation können wir lernen, den gegenwärtigen Moment zu erfahren wie er ist, ohne etwas zu tun, einfach nur sein.

 

Loslassen / Sein lassen

Loslassen oder nicht festhalten ist ein Schlüssel und durchzieht alle anderen Haltungen. Es ist ein Prozess, der all unsere Vorstellungen, Überzeugungen, Gewohnheiten, alles, was uns scheinbar wichtig ist, alles, was uns scheinbar gut tut, alles, was wir festhalten möchten, hinterfragt. In der Meditation können wir diese Haltung gut etablieren und so nach und nach verkörpern.

 

Akzeptanz

Sobald die Dingen in unserem Leben nicht so sind, wie wir sie gerne hätten entstehen Widerstände. Sie brauchen viel Energie, die uns dann nicht für andere Dinge zur Verfügung steht. In der Meditation können wir erkennen, dass die Widerstände etwas mit einem selbst zu tun haben. In dieser Erkenntnis steckt der Samen, der vom Leiden zur Akzeptanz oder auch Annahme führt. Akzeptanz meint nicht, dass wir alles gut finden müssen oder dass wir gleichgültig und passiv werden. Der Meditierende entwickelt die Fähigkeit, allen Vorkommnissen offen und auch einladend zu begegnen.

 

Vertrauen

Es geht darum, dass wir lernen unserer innewohnenden Weisheit, unserer inneren Stimme zu vertrauen. Vertrauen in den Weg den man geht, und dass er hilfreich dabei ist, die eigenen Potentiale zu entfalten.

 

Selbstmitgefühl

In der Mediation und in unserem Leben erleben wir viele schöne aber auch schmerzhafte Momente. Selbstmitgefühl, mit sich selbst zu fühlen, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen ist so heilsam und eine ganz wichtige Stütze, sei es in der Meditation oder im Alltag. Es schließt die Selbstfürsorge ein: Was tut mir wirklich gut? Was will ich wirklich? Was nährt mich?

Jon Kabat-Zinn erläutert die unterschiedlichen Haltungen der Achtsamkeit in diesem Video auf Youtube.